Güthler Glasfassaden setzt für Rapunzel die Pfosten-Riegel-Fassade hauptverantwortlich um. Als wir in Lauben, 20 Kilometer von Rapunzel entfernt, ankommen, sind wir zunächst überrascht: Auf dem Firmenareal des Unternehmens mit dem Wort „Glas“ im Namen ist weit und breit kein Glas zu sehen. Vielmehr finden wir uns in einer Schreinerei wieder, in der auch mit Metall gearbeitet wird. Hier geht es um alles, was das Glas später hält: Fensterrahmen, Pfosten und Riegel.
Fassaden können sowohl aus Holz als auch aus Metall sein. Im Familienbetrieb Güthler gehen daher Metallbau und Holzbau eine Synergie ein. Wo andere Unternehmen sich nur auf ein Material und dessen Eigenheiten spezialisieren, plant Güthler in der Schreinerei die Metallteile gleich mit. Das liegt vor allem auch an den Personen hinter dem Unternehmen: Geschäftsführer Johannes und seinem Bruder Gerhard Güthler. Sie waren sowohl im Holzbau als auch als Metallbauer tätig und sind Meister im Umgang mit beiden Materialien. Letztlich liegt der Fokus aber auf Holz. „Im Herzen sind wir Schreiner. Bei Holz, da hüpft das Herz“, lächelt Gerhard Güthler.
Warum es nicht ohne ist eine Mischfassade anzufertigen, wird klar, als Gerhard Güthler über die Materialeigenschaften spricht. Stahl dehnt sich bei Wärme in Breite und Länge aus, Holz reagiert auf Feuchtigkeit, weitet sich aber nur in die Breite, nicht in die Länge. Und Beton, an den die Fassade nach oben hin anschließt, befindet sich zwei Jahre in der Schwindungsphase, in der er Wasser verliert und sich zusammenzieht. Daher ist ein vertikal beweglicher Abschluss am oberen Fassadenpunkt Pflicht.
Mit Köpfchen zur perfekten Fassade
Sowohl für die Erstellung als auch für die Planung der Fassade benötigt Güthler je ca. drei bis vier Monate. Als gelernter Maschinenbautechniker und Metallbauer ist Gerhard Güthler der Kopf hinter den Fassadenplänen: „Der Architekt gibt zwar das fertige Bild vor, Bauphysik und Detailplanung kommen aber von uns und vom Statiker.“ So weisen seine Pläne die Handwerker z. B. dazu an, an welcher Stelle in der Fassade die Elektrik versteckt werden soll.
Ebenfalls viel Planung verlangt die runde Gebäudeform. Eine moderne High-End-CNC-Fräsmaschine sägt, bohrt und fräst die gebogenen Riegel, die um das Gebäude herum verlaufen. Am Ende unseres Besuches sehen wir die fertige Glasfassade förmlich vor uns – ohne ein einziges Mal Glas gesehen zu haben.